Rottweil, Neckartal 207, ehemaliges Pumpenhaus Ka. Nr. 3

Kurzgutachten der Holzmanufaktur Rottweil GmbH »»» 

Teil 1

Das ehemalige Pumpen- und Filterhaus wurde 1888 erbaut und zählt zu den wenigen erhaltenen Gebäuden aus der Frühzeit der Pulverfabrik. Das Äußere, ursprünglich in Backstein-Sichtmauerwerk ausgeführt, wird durch das Tonnendach und die hohen Rundbogenfenster geprägt. Die technischen Installationen und die damit verbundene hohe Abwärme erforderten damals eine effiziente Belüftung. Diese konnte am besten durch die in Deckenhöhe in die Rundbogenfenster eingebauten Schwingflügel erreicht werden. Über Kettenzüge lassen sich die Flügel in jeder Stellung arretieren. Die Fenster sind aus T-Profilen in Stahl gefertigt, einfach verglast und besitzen im unteren Bereich zusätzliche Drehflügel. Im Zuge der Restaurierung werden sie nun mit Isolierglasfenstern aus Holz  wärmetechnisch verbessert. Im Rahmen der neuen Nutzung wurde ein isolierverglastes  Holz-Stahlfenster in Anlehnung an historische Konstruktionen in die inneren neuen Schutzwände integriert.

 

Teil 2

Der höhere Gebäudeteil verlor sein ursprüngliches Tonnendach mit Wellblechdeckung bei einer Aufstockung im  frühen 20. Jahrhundert. Auch wurden die Fenster vergrößert und neu eingesetzt. An der überlieferten und wieder hergestellten verschiedenen Farbigkeit der Fenster im Erd- und Obergeschoss sind diese Veränderungen ablesbar. Die originale Verglasung bestand aus grob gehämmertem Kathedralglas. Die vom Vandalismus verschonten Scheiben wurden erhalten, als  Ersatzglas kam, auch des Ausblickes wegen, normalen Ziehglas zum Einsatz.


Teil 3

Neue Bauteile werden heute bei Sanierungen gern modern und ablesbar in zeitgemäßer Ausführung hergestellt. Falsch ist es – in der Regel -  Bauteile in ihrer Erscheinung auf „alt“ zu trimmen und historisierend zu detaillieren. Dies entspricht auch denkmalpflegerischen Standards, abgängige Bauteile durch neue Ergänzungen qualitativ und handwerklich hochwertig, aber ablesbar als aktuelle Zutat zu ersetzen. An der Südfassade wurde in der Öffnung des ursprünglichen Hauptportals  als Reminiszenz  an die gute alte Zeit in Anlehnung an Bestandstüren und an Fachbüchern eine moderne Eingangstür außenseitig mit Wellblech aufgedoppelt. Moderne Materialien und Konstruktionen vermitteln so dem Auge des Betrachters ein schlüssiges Gesamtbild einer hochwertigen, historischen Fassade.

 
 
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